Samstag, 21. April 2012

Mission failed.

"Nirgendwo in Afrika fand der Plakat-Aufruf der Invisible Children Niederschlag.", schreibt die Frankfurter Rundschau heute. Schade eigentlich. Denn immerhin haben sich ja nahezu 90 Millionen Menschen auf der ganzen Welt das Video dazu angeguckt. 

Warum hat es aber dann nicht geklappt? Warum ist die Hilfe denn nicht angekommen? 90 Millionen sollten doch etwas erreichen können, oder nicht? Sicherlich, das könnten sie. Aber bislang spricht der die Kampagne "Kony 2012" nicht gerade die Richtigen an. Ein Haufen Internet-Kiddies weiß jetzt alles über Joseph Kony. Alles zusammengefasst in 30 Minuten. Bis auf seine Motive. Aber die spielen ja eh keine Rolle, der Mann ist ein Monster.

Hat überhaupt mal jemand danach gefragt, was die Afrikaner in Uganda und den anderen betroffenen Regionen von der Aktion halten? Nein? Nichts. Für sie ist das nur ein weiterer Versuch von diesen gut situierten, "wohlwollenden" westlichen Menschen, sich in ihre Angelegenheiten einzumischen, und ihnen zu zeigen, wie sie ihre Probleme zu lösen haben. Dass die Amerikaner ihr Land für das absolut Beste halten, was Mutter Erde jemals passieren konnte, ist ja allgemein bekannt. Aber man sollte nie vergessen, dass nicht jeder dieser Meinung ist.

Weswegen kämpft Kony denn überhaupt? Wofür tut er all diese Sachen? Darüber wird im Video kein einziges Wort verloren. Als ob ein Mensch ein Volk 25 Jahre lang einfach aus einer Laune heraus terrorisieren würde... 

Ich weiß nichts Genaues über Konys Beweggründe. Darüber kann man sich hier ja auch kaum informieren. Aber seine Organisation wird nicht umsonst die Bezeichnung Resistance innehaben. Kony ist sicherlich nicht der einzige in diesem Bürgerkrieg, der Gräueltaten verübt. Die Situation erinnert mich persönlich sehr an Sierra Leone, ein Land, das bis 2002 selbst vom Bürgerkrieg zerrüttet war. Auch hier lehnten sich Rebellen gegen die Regierung auf, die korrupten Diamantenhandel mit westlichen Ländern betrieb. Dabei bedienten sich die Rebellen ähnlichen Mitteln wie Kony - Kindersoldaten, Menschen wurden die Hände abgehackt, damit sie nicht mehr wählen konnten. Finanziert wurde der Krieg durch Handel mit eben den Diamanten, die alles ins Rollen brachten. Die Kämpfer der Rebellen waren dabei in erster Linie perspektivlose junge Menschen, die ihrem Hass gegenüber der Regierung nicht anders Luft zu schaffen wussten.

Und jetzt kommt da eine Organisation wie Invisible Children um die Ecke. Mit einem Haufen Westlern - tausende Menschen, die nicht wissen, wie es ist, wenn man jeden Tag um sein Essen kämpfen muss. Die allesamt nur Jacob kennen. Den Mann aus Uganda, der seine Familie durch Kony verloren hat. Nur damit das hier keiner falsch versteht: Ich versuche nicht Joseph Kony in Schutz zu nehmen. Ich versuche auch nichts rechtzufertigen, was er getan hat. Ich versuche nur darauf hinzuweisen, dass es auch eine andere Seite gibt. Eine Seite, von der wir hier in den westlichen Ländern anscheinend keinen Plan haben. Denn ansonsten würden ja alle Menschen aus Uganda auf unserer Seite sein und überall Kony 2012-Plakate aufhängen. 

Und warum tun sie das nicht? Weil wir offensichtlich keinen Schimmer davon haben, wie die Situation wirklich ist. Aber wir nehmen es an. Für uns ist Joseph Kony der Böse, der unbedingt inhaftiert werden muss. Wenn das erledigt ist, wir wieder alles super. Friede, Freude, Eierkuchen. Mit Sicherheit... Auf Kony wird nur der nächste Tyrann folgen, der seine Macht auf dem Weg der Gewalt beansprucht. Es wird ewig weitergehen, bis sich die Situation irgendwann von alleine beruhigt. Dass wir selber in unseren eigenen Staaten ebenfalls blutige Bürgerkriege hatten, wurde scheinbar schon wieder vergessen. Und dass dabei niemand von außen immer wieder mit dem Zeigefinger hoch in der Luft eingegriffen hat, wohl auch. Denn nur so haben sie ja überhaupt erst zu einem Ziel geführt. Immer hat sich das Proletariat gegen die wenigen Reichen erhoben und so Umbrüche erzielt, die unsere heutige Gesellschaft hergestellt haben.

Und nun kommen wir nach Uganda und sagen einem Teil von diesem Proletariat, dass sie genau damit gefälligst aufzuhören haben? Wer sind wir, dass wir behaupten können, zu wissen, wer Recht hat in diesem Bürgerkrieg?

Aber selbst wenn wir das wüssten, dann ist der einzige Weg, das ganze zu stoppen, nach Uganda zu fahren und selbst Hand anzulegen. Es tut mir Leid, das so sagen zu müssen, aber sharen und liken hilft in einem Krieg auch nicht weiter.


... und bei krebskranken Kindern auch nicht....

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