Die Schule hat mal wieder an die Tür geklopft. Hach, wie habe ich den Klausurstress doch vermisst! Fast eine Woche lang nichts geschrieben, da vergisst man doch glatt, wie einem das die Nachmittage versauen kann. Mein Programm bis Dienstag: für Englisch-Leistungskurs lernen, Seminarfach-Plakat, Mathe-Referat, Geschichte und Musik lernen, in Latein für eine Sallust-Textsammlung ein Deckblatt entwerfen und natürlich noch ein paar Hausaufgaben. Hab ja auch sonst nichts Besseres zu tun.
Was mich aber am meisten an der Sache nervt ist, dass ich langsam das Gefühl habe, in der Schule nichts mehr vermittelt zu bekommen. Zumindest nichts, was wirklich wichtig ist. Oder nichts, was man sich nicht auch zu Hause in der Hälfte der Zeit aneignen könnte. Es ist keinesfalls so, dass ich im Unterricht alles verstehe. Wenn ich da immer so auf diesen unglaublich bequemen Stühlen sitze, sinkt meine Motivation bei den meisten Lehrern so tief, dass ich fast gar nichts mehr mitbekomme. Ich höre zu, weiß aber nach 2 Sekunden nicht mehr, was eigentlich die Frage war. Aber wie schaffen es auch manche Lehrer nur, so langweilig zu sein?
Also sitze ich jeden Vormittag in der Schule, lebe von Pause zu Pause und zu Hause kann ich mich dann ausnahmsweise mal der Schule widmen. Nochmal angucken, was man heute so gemacht hat, was das überhaupt bedeutet, was man da so letzte Physik-Stunde mitgeschrieben hat. Und dann geht es weiter ins Wohnzimmer zum lernen. Warum im Wohnzimmer? Weil da kein PC steht, der mich ablenken könnte. Irgendwie kein gutes Zeichen, dass das, mit dem man sich da so beschäftigt so uninteressant ist, dass auf einmal sogar sinnloses Durchklicken auf Facebook unterhaltsamer ist, oder?
Ich kann mich mit verschiedenen Dingen wirklich intensiv beschäftigen, wenn sie mich interessieren. Aber wenn nicht, ist das die reinste Qual. Dann putze ich wieder die ganze Küche, nur um mich noch einen Moment davor zu drücken, mich wieder ranzusetzen. Wenn sich das wenigstens auf einige wenige Stunden beschränken würde und man zu Hause mal etwas Freizeit hätte... Aber was ich im Moment alles zu tun habe, reicht locker, um mich bis nächsten Dienstag an den Schreibtisch zu fesseln. Und zwar ohne eine einzige freie Minute. Motivation geht exponentiell gegen null.
Und ich sehe es jetzt schon wieder - ich werde das meiste nur halbherzig erledigen, zu wenig lernen, obwohl noch Luft für viel mehr war. Aber es tut mir Leid, die Art, wie uns Wissen vermittelt werden soll, spricht mich einfach mal so gar nicht an. Sie schreckt sogar eher ab. Würde ich eine gute Dokumentation über manche Dinge sehen, würde ich ganz sicher nicht vor Ende abschalten, aber wenn mir dann wieder irgendein Lehrer (nicht alle Lehrer sind schlecht, wohlgemerkt) etwas über dasselbe Thema dermaßen eintönig und einfallslos ins Ohr säuselt, dann verliere ich einfach jegliche Lust, mich damit noch weiter zu beschäftigen.
Ein gutes Beispiel dafür ist unser Werte und Normen-Unterricht. Eigentlich ein Fach, das ich lieben müsste, da die Themen einfach perfekt sind zum diskutieren. Aber was macht unsere Lehrerin draus? Wir bekommen einen Text, lesen ihn - mal leise, mal liest einer vor, dann fassen wir zusammen. Dann gibt es den nächsten Text. Und dann den nächsten. Als Highlight darf man diese dann vielleicht mal vergleichen. Stellungnahmen sind dann zwar manchmal auch gefragt, aber unserem Kurs ist jeglicher Drang danach, sich auszutauschen von dieser Frau genommen worden. Jeder sagt einmal seine Meinung, keiner nimmt Bezug auf den anderen, fertig. Weiter im Text.
Aber eigentlich sollte ich jetzt mal weg vom PC, hab ja auch gar keine Zeit dafür, so einen Post zu verfassen, viel zu viel zu arbeiten. Aber mal gucken, vielleicht finde ich am Wochenende ja doch noch eine Stunde, in der ich mal entspannen kann...