Sonntag, 18. März 2012

Ach ja, ich bin jetzt übrigens Halbwaise.

Es passiert mittlerweile natürlich deutlich seltener. Dass ich mit Leuten rede, die noch nichts von meiner Mutter wissen und mir dann sagen, dass ich sie mal grüßen soll. In den ersten Monaten habe ich darauf nie wirklich geantwortet. Immer nur gesagt "Ja ja, mach ich.", um dann mit mulmigem Gefühl wieder wegzugehen.

Aber soeben habe ich mit einer alten Bekannten aus Nicaragua geschrieben, die mal wieder zu Besuch kommen will. Ich konnte ihr einfach nicht verschweigen, nachdem sie sogar ihren Namen genannt hat. Also ihr davon erzählt. Wirklich schwer fiel es mir eigentlich nicht, es ist immerhin schon fast ein Jahr her, aber auf einmal kam mir das "Uns geht es gut", was ich ihr vorher geschrieben habe, wie die größte Lüge aller Zeiten vor. Natürlich geht es uns wirklich gut. Aber wir sind immerhin jetzt andere Menschen. Weniger Menschen.

Aber das Schlimmste daran ist, wie herzlos ich mir immer vorkomme, wenn ich das alles so nüchtern erzähle. Andere Familien sind an so etwas zu Grunde gegangen und mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Dabei wäre das ja kein Problem, wenn nicht einige Leute einem immer das Gefühl geben würden, dass es einem jetzt gerade furchtbar schlecht geht. "Das muss hart für euch sein", "Kommt ihr zurecht?" und der Klassiker: "Wenn irgendwas ist, ich bin für dich da." Manche wollen immer nur von einer Tragödie hören, die es nicht gab. Von den Tränen hören, die schon lange nicht mehr fließen. 
 
Es tut mir Leid, wenn ich das nicht bieten kann. 

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