Samstag, 7. Januar 2012

Nur keine Panik - aber warum denn nicht?

Die Ferien sind vorbei, die Schule hat wieder angefangen, der Alltag geht weiter. Und mit dem Alltag kommen immer pünktlich auch die ganzen Ankündigungen. Klausuren, Auftritte, Abgabefristen, unaufschiebbare Termine. Besonders schulisch geht es bald zur Sache. Im Februar fangen die Vorabi-Klausuren an. Die wichtigsten und umfangreichsten Klausuren, die ich je geschrieben habe. In meinem Freundeskreis fangen die Ersten schon an, sich darauf vorzubereiten. Könnte ich ja auch mal. Ich schreibe immerhin Anfang Februar Mathe-Leistungskurs und auf die Klausur im Stochastik-Semester habe ich mit Mühe und Not 3 Punkte bekommen. 

Aber es gibt ja noch so viele andere wichtige Dinge zu tun. Nächste Woche helfe ich in einem Jugendsinfonieorchester in einer Nachbarstadt aus, Anfang Februar ist der zweite Auftritt unserer Rap-Formation, für den noch Texte geschrieben werden müssen, ich müsste langsam mal mit meiner Hausarbeit anfangen und das Plakat für's Seminarfach erledigt sich auch nicht von allein. Also ran an die Arbeit! 

... oder auch nicht. Auch wenn ich eigentlich im Dauerstress sein müsste und für nichts und niemanden Zeit haben dürfte, sehe ich einfach nicht die Notwendigkeit, mich jetzt schon um diese Dinge zu kümmern. Natürlich habe ich auch noch einiges an Zeit. Doch verglichen mit dem, was ich noch alles zu erledigen habe, ist ein Monat nichts. Allein eine ordentliche Wiederholung der letzten Mathematik-Semester würde mich jeden Tag stundenlang an den Schreibtisch binden. Aber das wird eh nicht passieren. Aber nicht etwa, weil ich das alles sowieso schon draufhabe. Ich könnte eine gründliche Vorbereitung eigentlich wirklich gut gebrauchen.

Manch meine aktuelle Haltung als Faulheit bezeichnen. Ich könnte ihm eigentlich keine überzeugenden Gegenargumente liefern. Aber eigentlich bin ich nicht faul. Ich kriege das, was ich erledigen muss, meistens schon auf die Reihe. Nur bleibe ich dabei immer ruhig. Manchmal erschreckend ruhig. Wo Andere vor einer Klausur völlig am Rad drehen, stecke ich mir meine Kopfhörer rein, höre Musik und esse, weil ich das ganze Lernen und Austauschen von Informationen in letzter Minute nicht mehr hören kann. Nicht, dass mir selbst das irgendwie schaden würde, aber ich kenne fast keinen Stress mehr. Andere beneiden mich darum, ich selber finde es beängstigend.

Ich meine, ich habe ja auch überhaupt keine Ahnung, was ich irgendwann mal machen will. "Vielleicht Psychologie. Aber mal gucken, ich hab' ja noch Zeit" - Naja. In 4 Monaten bin ich fertig. Dann bin ich mit der Mündlichen durch und müsste mich mal nach einem Studienplatz umschauen. Aber ich will ja nicht direkt nach der Schule studieren. Erstmal ein Jahr Pause, wahrscheinlich in's Ausland. Aber beworben habe ich mich auch noch nirgendwo. "Ist ja noch Zeit." - Von wegen. Die Anmeldeverfahren laufen schon. Ich kenn sogar welche, die schon ein Vorstellungsgespräch bei Organisationen für FSJs hatten. Nur ich dümpele noch herum und lasse mir schön Zeit.

Mich beunruhigt sowas immer, da ich, wenn mir andere Leute von so etwas erzählen, bemerke, dass es auch für mich an der Zeit wäre, mich darum zu kümmern. Aber am Ende tu ich es dann doch wieder nicht. Ich lebe viel zu sehr in den Tag hinein. Die Panik, die viele Leute haben, wenn es auf wichtige Ereignisse zugeht, die sie zu Höchstleistungen anspornt, verpüre ich einfach nicht. Wenn ich nicht schlafen kann, dann nicht wegen morgen, sondern wegen heute.

Ich wünschte manchmal wirklich, dass ich auch ein bisschen Panik haben könnte. Besonders vor wichtigen Klausuren. Aber gerade an diese gehe ich viel zu oft viel zu locker ran. Es wäre noch viel mehr drin, würde ich mich ordentlich vorbereiten. Aber dafür sehe ich einfach oft nicht die Notwendigkeit. Ich sitze auch oft an einer Klausur und langweile mich total. Nicht, weil das Thema so einfach ist, sondern, weil es mich nicht interessiert. So klingen dann auch die Texte, die ich dann schreibe. Total unmotiviert und zusammenhangslos. In diesen Momenten würde ich gerne mal ein bisschen Druck spüren, der mich zumindest dazu bringt, mich richtig zu konzentrieren. Aber der lässt immer auf sich warten. Am Ende gebe ich dann doch wieder eine halbgare Klausur ab, die ich schon weit vor Ablauf der Zeit fertig geschrieben hatte.

Ich wünschte einfach nur, ich könnte hin und wieder ein schlechtes Gewissen bei solchen Dingen haben.

Vielleicht bin ich aber auch einfach nur faul...

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