Facebook, Smartphones, Twitter. Das Medium Internet ist mittlerweile unumgänglich. Ist man sich gerade nicht sicher, googelt man kurz. Will man wissen, was los ist, liest man auf seinem Handy die News. Alle paar Sekunden vibriert das gute Stück dann noch und man beantwortet eine Nachricht. Meist Kleinigkeiten, die so nun einmal schneller von der Hand gehen. Jeden Tag tragen wir winzige Entertainment-Center mit uns herum, die uns laufend mit Videos, Musik, Texten, allem Möglichem versorgen. Man kommt gar nicht mehr hinterher.
Aber Nicht-mehr-hinterherkommen gibt es nicht mehr. Heutzutage wissen alle alles. Man tauscht sich nicht mehr darüber aus, was so passiert ist, sondern erzählt sich, wie man von den Dingen erfahren hat. Man chattet. In jedem Moment sind wir mit anderen Leuten verbunden, in jedem Moment teilen wir unsere Gedanken anderen Menschen mit. Wir sind immer zu jeder Zeit erreichbar. Das Handy ist immer am Mann.
„Erzähl‘ gleich mal weiter, ich schreibe nur kurz zurück.“ – verlieren wir langsam den Fokus? Vergessen wir, was wirklich wichtig ist? Wir hängen so viel vor unseren Geräten, dass wir uns gar nichts mehr zu erzählen haben, wenn wir uns dann wirklich treffen. Wir organisieren mit unseren Handys, unterhalten uns mit ihnen, wir streiten uns mit ihnen. Wir besprechen im Chat Dinge, die niemand anderes etwas angehen. Und wenn jemand offensichtlich guckt, wollen wir das nicht. Liest er dann doch mit und wir merken es nur nicht, stört uns das auch im Nachhinein nicht. Doch warum? Woher kommt dieses Mitteilungsbedürfnis?
In Facebook stehen so viele Posts, die dort einfach nicht reingehören. So viele Meldungen über Enttäuschungen, über Streitereien, Verluste. Facebook ist die Plattform, auf der wir anderen Leuten mitteilen, wenn wir uns gerade verliebt haben. Facebook ist der Ort, an dem die Leute erfahren, dass es wieder vorbei ist. Wir posten und zählen unsere Likes. Warten, bis das nächste Mal die Benachrichtigung kommt „XY gefällt dein Status“. Wir machen an besonderen Orten Fotos, nur damit wir wieder ein neues Profilbild haben. Wir checken lieber noch einmal unsere Startseite, als uns mit jemandem zu unterhalten, wenn es schwierig ist, mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Auch wenn wir so einen Teil unserer Seele preisgeben, sieht man meist nur Oberflächlichkeiten. Vor dem Gesetz und in Facebook sind wir alle gleich. Der eine mehr, der andere weniger auffällig, sind wir doch alle auf der Suche nach Bestätigung. Warum sonst posten? Warum sonst sich all seinen „Freunden“ mitteilen, von denen man eh nur 10% wirklich kennt? Wir sind oberflächlich geworden. Immer nur auf der Suche nach Unterhaltung. Die Charts klingen schon seit Monaten gleich? Völlig egal, solange sie nach Party klingen. Im Fernsehen ist eine Show wie die andere nur mit anderen Menschen? Völlig egal. Hauptsache, man kann morgen darüber reden.
Wo ist unsere Individualität hin? „Besser gestanden arm sterben, als reich leben auf Knien“ (Casper). Wir haben sie verloren. Verloren in unserem Konsumwahn, in der Sinnüberreizung unserer heutigen Welt. Niemand blickt mehr durch. Niemand hat mehr klare Vorstellungen. Die Politik rudert mal hierhin, dann wieder in die andere Richtung, die Abiturienten haben keine Ahnung, was sie mal machen wollen. Unsere Werte verfallen. Alles ist relativ. Es gibt kein „Nein aus Prinzip“ mehr. Der einzige Wert, zu dem wir alle „Ja“ sagen, ist das Geld. Solange das stimmt, beschwert sich niemand. Solange wir uns keine Sorgen zu machen brauchen, tun wir das auch nicht. Dann fressen wir alles, was uns vorgeworfen wird. Hauptsache, die Verpackung sieht gut aus. Was hinter der Fassade steckt, interessiert doch schon längst nicht mehr.
Aber wer unternimmt etwas dagegen? Wo sind die ganzen Revolutionäre? Hängen an ihren Handys und merken nicht, dass wir, obwohl es uns gut geht, uns langsam verlieren. Wofür stehen wir heute überhaupt noch? Wir nehmen uns unsere eigene Freiheit, indem wir alles über uns ins Internet schreiben, wo es für immer gespeichert ist. Wir hetzen alle immer gerne gegen die moderne Gesellschaft, nur um uns im nächsten unbeobachteten Augenblick wieder in das Raster einzufügen und genau das zu tun, was sie überhaupt ausmacht.
Ich glaube, ich starte eine Revolution. Aber vorher muss ich noch kurz Facebook checken.
Glaub es wenn du willst oder tus nicht. Aber dein Text klingt für mich, als hätte jemand meine Gedanken genommen und sie sortiert in Worte gefasst. Dabei erstaunt es mich nicht, dass es Leute gibt die so darüber denken wie ich, man fragt sich nur immer wo sie sich verstecken ;)
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