Ich war gestern mal wieder im Kino. "Ziemlich beste Freunde". Und was soll ich sagen - ich wurde schon lange nicht mehr so gut fast zwei Stunden lang unterhalten. Nicht nur, dass ich nicht selten gar nicht mehr aus dem Lachen herausgekommen bin, der Film zeigt auf eine mitreißende Weise, dass der gerade Weg nicht immer das Wahre ist.
"Neben der Spur fährt es sich langsam sogar ein bisschen besser.", sagte mein Oboenlehrer mal im Zusammenhang mit dem Film. Diese Aussage passt zu ihm. Er wird von vielen Seiten belächelt für seine doch sehr eigenen Methoden. Doch kenne ich kaum einen Schüler, der nicht gut mit ihm zurecht kommt. Ich bin der Meinung, dass wenn man etwas wirklich gut macht, auch Leute damit erreichen wird. Ganz egal, wie abschreckend der erste Eindruck ist.
Ich habe gestern nämlich auch ein Referat im Deutschunterricht über Kollegah (deutscher "Gangsta-Rapper", aktuelles Album "Bossaura" auf Platz 5 gechartet) gehalten. Ich will jetzt keine Debatte darüber starten, ob er ein guter Rapper ist, ob seine Texte vertretbar sind, oder dergleichen. Es ging mir in meinem Referat gestern darum, zu zeigen, dass sich selbst hinter solchen Texten, wie Kollegah sie schreibt, die auf den ersten Blick nur plump und machohaft erscheinen, ausgeklügelte Reimpattern und im Endeffekt, wie es mir dann meine Deutschlehrerin zugestanden hat - "Sprachkunst" - steckt.
Und auch hier dasselbe Spiel: Am Anfang haben mich die meisten Schüler ganz schön komisch angeguckt. Der eine Teil fand es witzig, da er Kollegah kannte und nicht glauben konnte, dass ich das ernsthaft durchziehe, der andere Teil war erstmal ein wenig erschüttert über die Zitate, die ich so zum Besten gab. Aber am Ende war das Bild doch recht ausgeglichen. Auch wenn ich keinen neuen Kollegah-Fanclub geschaffen habe, haben doch einige, wie ich denke, ihre Sichtweise ein wenig geöffnet und verstanden, was an so einer Art Musik und solchen Texten interessant ist.
Ich will keineswegs mit meinem Referat angeben. Nur ist das eine Geschichte, die mir selber widerfahren ist und mich wieder einmal in meinem Glauben verstärkt hat, dass nur ein ungerader Weg uns wirklich glücklich machen kann. Warum auch alles nach der Erwartungshaltung Anderer richten? Wir sind niemandem irgendetwas schuldig. Höchstens uns selbst. Und uns selbst sind wir schuldig, dass wir das machen, was wir auch wirklich wollen. Das ist nicht immer einfach. Sich gegen die Norm zu stellen, nur weil man sie nicht vertreten kann. Aber man wird sich schon Gehör verschaffen, wenn man seine Sache gut macht. Und auch wenn man sich dadurch eventuell mal Feinde macht - sind das wirklich Leute, mit denen man etwas zu tun haben wollte? Leute, die einfach nur nach dem System leben?
Ich sage nicht, dass unser System, wie es gerade ist, völlig daneben ist. Aber ich sage, dass es die Wertvorstellungen von manchen Menschen sind. Ein Haus und eine Familie mit einem sicheren Job alleine machen nicht glücklich. Warum machen wir alles immer davon abhängig, wie viel wir am Ende mit einem Berufsweg verdienen können und wie sicher dieser ist? Wenn man nicht den Mut hat, etwas zu riskieren, kann man gar nicht wirklich glücklich werden. Denn egal, wie etwas ausgeht, wenn man sich dazu durchringt, etwas zu riskieren - am Ende ist man doch froh, dass man es getan hat. Einfach mal mit der Wahrheit rauszurücken, auch wenn man zunächst nur auf Missgunst stößt.
Sich einmal nicht darum scheren, was die Anderen denken, sondern einfach mal durchziehen. Wenn das jetzt noch immer so einfach wäre, wie es zu sagen, wäre doch alles perfekt. Aber ich arbeite auch schon daran.
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