Jeder hat irgendein Vorbild. Im Kindesalter sind es Schauspieler, Musiker oder sonst irgendwelche coolen Menschen aus den Medien. Später hat man dann Leute wie Nelson Mandela, den Dalai Lama oder Barack Obama vor Augen. Doch die meisten unserer Vorbilder sind gar nicht mal so weit von uns entfernt, wie wir das manchmal denken. Meines wohnt zwei Zimmer weiter von mir. 10 Meter Luftlinie.
Ich rede natürlich von meinem Vater. Viele sagen zwar, dass ihre Eltern für sie Vorbilder sind, doch ist mir in den letzten Tagen klargeworden, wie sehr ich mich - auch wenn ich es in der Öffentlichkeit und vor ihm nie zugeben würde - immer darüber freue, wenn ich wieder mal bemerke, dass ich ihm noch ähnlicher geworden bin.
Wir haben hier zu Hause kein klassisches Vater-Sohn-Verhältnis. Und ohne Frage war der Tod meiner Mutter dafür auch ausschlaggebend. Denn heute kann ich meinem Vater absolut alles erzählen. Und das mache ich auch. Manchmal habe ich das Gefühl, er weiß besser über mich Bescheid, als ich selbst. Und umgekehrt. Ich weiß auch alles über ihn. Wir vertrauen uns gegenseitig, arbeiten immer zusammen. Er muss mir nichts mehr verbieten, aus der Phase sind wir mittlerweile raus. Durch meine Erziehung habe ich schon ziemlich genau gelernt, was gut für mich ist und wovon ich besser mal die Finger lassen sollte. Auch wenn es hier und da immer mal wieder einen Disput gab, hatten die zwei doch immer Recht. Heute vertraut er mir und ich mache keine Dummheiten. Ganz einfach. Wir haben ein sehr offenes Verhältnis und keiner verstellt sich irgendwie. Wenn ich von Freunden höre, dass sie sich vor ihren Eltern anders verhalten oder gewisse Dinge nicht ansprechen würden kann ich mein Unverständnis im Normalfall nicht verbergen. Wenn ich hier zu Hause nicht sein kann, wie ich wirklich bin - wo denn dann?
Ich danke meinem Vater jeden Tag dafür, dass er mich so nimmt, wie ich bin und mir immer wieder zeigt, dass er stolz auf mich ist, solange ich glücklich bin. Auch wenn er meine Rap-Songs nicht mag, interessiert er sich dafür und freut sich, wenn ich nach einem Auftritt mit strahlendem Lächeln nach Hause komme. Und auf derselben Seite ist wir wie gute Freunde. Wir erzählen uns lustige Geschichten vom letzten Abend, blödeln rum und tratschen. Trotzdem habe ich immer noch größten Respekt vor ihm. Ich würde seine Autorität niemals in Frage stellen, würde ihm doch einmal etwas nicht passen.
Ich hoffe, ich schaffe das bei meinen Kindern später auch einmal so wie er.
Ist bei mir genauso, wie bei dir. Ich liebe meinen Vater und kann ihm wirklich alles erzählen. Meine Freunde haben keinen so guten Draht zu ihren Eltern und erzählen ihnen wirklich NICHTS, was ich absolut nicht verstehen kann.
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